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Geschichte der Islandpferde

Geschichte_Islandpferde

Nach der Enddeckung Islands siedelte sich 870 n. Chr. Ingólfur Aranarson als Erster dauerhaft auf der Insel aus Feuer und Eis an. Seine Siedlungsstätte nannte er Rauchbucht, Reykjavík.

Durch Streitigkeiten zwischen dem Norwegischen König Harald Schönhaar und den Tempelbesitzern oder Häuplingen, Goden Norwegens, flohen viele reiche und vornehme Leute nach Island. Andere wollten seine dauernden Erlasse und Steuern nicht mehr hinnehmen und siedelten sich aus diesen Grund in Island an.

Durch den begrenzten Platz auf den Wikingerschiffen wurden nur die besten Tiere mitgenommen. Im Landnahmebuch, welches Aufschluß über die ersten Siedler Islands gibt, wird auch die Geschichte des ersten in Island geborenen Fohlens beschrieben.

"Zu jener Zeit kam ein Schiff ins Delta von Kolbeinsá, beladen mit Haustieren, doch bei Brimsnesskógar verloren sie eine Jungstute; doch Pórir Dúfunef kaufte sie auf gut Glück und fand sie später. Sie war schneller als alle anderen Pferde und wurde Fluga genannt. Örn hieß ein Mann; er bereiste alle Landesteile und war zauberkundig. Er paßte Pórir in Hvinverjadalur ab, als dieser über Kjölur nach Süden reiten sollte, und wettete mit ihm darum, wessen Pferd schneller sei, denn er hatte ein ausgezeichnetes Pferd, und jeder bot hundert Siberstücke. Beide ritten sie über Kjölur nach Süden, bis sie zu einer flachen Stelle kamen, die später Dúfunesskeid genannt wurde. Fluga war so schnell, daß Pórir dem Örn mitten auf der Bahn wieder entgegenkam. Örn konnte sich so wenig mit seinem Verlust abfinden, daß er nicht mehr leben wollte und den Berg erklomm, der heute Arnafell heißt, und dort nahm er sich das Leben, doch Fluga stand noch dort, denn sie war sehr abgehetzt. Aber als Porir vom Thing zurückkam, fand er einen Schimmel mit üppiger Mähne bei Fluga, und sie war trächtig. Von den beiden stammt Eidfaxi ab, der nach Norwegen als Geschenk für den König gebracht wurde. Er war so wild, dass er bei Mjörs sieben Männer an einem Tag tötete, und dort starb er selber. Fluga verschwand in einem Sumpf bei Flugumýri."

Im Jahre 930 n. Chr. wurde auf dem Althing, dem Parlament, der unabhängige isländische Freistaat gegründet. Der Ort des Althing war bei dem See Thingvallavatn, in Thingvellir.

Auf einem dieser Althingi wurde bereits im 10. Jh. das Einfuhrverbot für Pferde beschlossen, welches bis heute noch gilt. Die Hauptüberlegung für dieses Importverbot war die Angst vor Krankheiten und Seuchen, welche auf einer Insel verheerend wirken können. Da ohne das Islandpferd eine Besiedlung der rauhen Insel namens Island undenkbar gewesen wäre, versuchten die Isländer so ihr Haupttransportmittel zu schützen. Ist ein Pferd erst einmal exportiert, darf es nicht mehr zurück.

In späterer Zeit nahmen sich die Isländer den norwegischen König als Lehnsherren. Durch Kriege fiel Norwegen an Dänemark und somit auch Island. Da Dänemark ab 1602 ein Handelsmonopol auf Island hatte, und die dänische Handelsgesellschaft Island oft vernachlässigte, gab es des öfteren Hungersnöte, in welchen teilweise das Islandpferd gute Dienste leistete.

Bei einem fürchterlichen Ausbruch der Laki-Spalte 1782-83 wurde der Pferdebestand von 30.000-40.000 auf 8.000 Pferde, durch die giftigen Dämpfe und den Futtermangel, reduziert. Auch die Menschen, Schafe und Rinder waren stark betroffen. Aus den verbleibenden Pferden, darunter 3.000 Stuten, entwickelte sich die heutige Population von ca. 80.000 Pferden in Island.

Im 19 Jahrhundert wurden Islandpferde nach England als Grubenpferde exportiert. 1956 wurden Fohlen, in Rettungsaktionen, nach Deutschland geholt, welche in Island geschlachtet werden sollten. Ab diesem Zeitpunkt begann der Siegeszug der Wikingerpferde in Deutschland.

Es gründeten sich Organisationen, die sich mit den Islandpferden beschäftigten, wie z.B. der IPZV oder die FEIF. Es wurden und werden eigene Turniere abgehalten, und mittlerweile gibt es auch Weltmeisterschaften für Islandpferde. Islandpferde gibt es in vielen verschieden Ländern: A, B, CH, D, DK, F, FIN, FR, GB, I, L, N, NL, Q, S, USA und CDN.

Durch die tausendjährige Reinzucht konnten Eigenschaften der Pferde erhalten bleiben, welche auf dem Kontinent verloren gingen. Der harte Kampf ums Überleben auf der Insel im Nordatlantik formte das heutige Islandpferd, welches robust ist, einen guten Charakter hat, und über 4 bis 5 Gänge verfügt. Auch auf dem Kontinent existierten in früheren Zeiten Tölt und Pass. Leider wurden diese Anlagen weggezüchtet, da die Pferde später hauptsächlich in der Kavallerie eingesetzt wurden, und dort der Trab anstelle des Tölts bevorzugt wurde.

Für die Besiedlung Islands war das Pferd von großer Bedeutung. Auch heute noch sind einige Gebiete nur mit dem Pferd oder zu Fuss zu erreichen. Das Pferd floss auch schon in den größten Literarischen Werken des Mittelalters ,den Isländersagas ein, ebenso in der Germanischen Götterdichtung. Z.B. entstand Sleipnir, das achtbeinige Pferd Odins, aus einer List Lokis, oder es kommt der Tag durch Skinfaxi und die Nacht durch Hrimfaxi.

Die Isländer leben mit ihren Pferden, was sich auch in Redewendungen, Sprichwörtern und Gedichten widerspiegelt, welche sehr häufig mit den Pferden zu tun haben. Hier einige Beispiele: Schwer ist es, einem heimstrebenden Pferde Fesseln anzulegen./ Oft wird ein Fohlen mit Fehlern ein gutes Ross./ Auf einer Wahlversammlung hielt ein angesehener Bauer eine originelle Rede, in der er folgendes ausführte: "Ich halte es für das Richtigste, die Thingabgeordneten zu behalten, die wir jetzt haben. Ich besitze ein Pferd, das faul ist, auch ist es lahm, störrisch und unzuverlässig. Das ist jedoch ein Pferd, dessen Fehler ich kenne, und ich will es nicht mit einem anderen tauschen. Denn es kann gut sein, daß ich an seiner Stelle ein noch schlechteres erhalte. Ähnlich liegt es auch bei den Thingabgeordneten. / Schlimm ist es, ungestüm wie ein Pferd und schwach wie eine Maus zu sein. / Leseratten werden in Island als "Lesepferde" bezeichnet.